Predigt im Ökum. Jugendgottesdienst Eine Welt

„Fair handeln“ 14.10.2013 St. Jodok

·        „Fair handeln“ - bei einem Plakatwettbewerb in der Gewerblichen Schule RV kam dieses Bild dabei heraus. Ein Herz, das von einer Hand in die nächste gelegt wird.

·        Ein schönes Bild: Ein Herz, das von Mensch zu Mensch geht. Fair handeln, das heißt, mein Herz sprechen lassen, mich anrühren lassen, mein Herz verschenken, …

·        In der Bibel gibt es eine besonders eindrückliche Stelle, an der vom Herz die Rede ist. Der Prophet Ezechiel spricht den Menschen im Exil in Babylonien eine Verheißung Gottes zu:

„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.“

·        Ein „Herz aus Stein“. Eine unangenehme Vorstellung, dass wir ein Herz aus Stein haben könnten. Ezechiel sagt es den Leuten auf den Kopf zu: Ihr habt ein Herz aus Stein gehabt. Ihr habt schlecht gehandelt, gegenüber Gott und vor allem gegenüber seinen Mitmenschen. Das, was wir eben in dem Theaterstück gesehen haben, gab es auch schon vor 2500 Jahren: Kleinbauern, die nicht genug zum Leben hatten. Die in die Stadt zogen, in der Hoffnung, dort genug zum Überleben zu haben.

·        Die Propheten Amos oder Jesaja ergreifen Partei für die Armen, für die kleinen Bauern. Sie prangern die Reichen an, die mit einer gnadenlosen Schuldzins­politik die Kleinbauern in den Ruin treiben. Ezechiel sagt: Euer Herz aus Stein war schuld daran, dass euer Land von den Babyloniern erobert wurde. Doch jetzt legt Gott ein Herz aus Fleisch, ein lebendiges Herz in euch. Und seinen Geist, damit ihr seine Gebote halten könnt. Denn wenn alle Gottes Gebote halten, dann ist ein fairer Umgang miteinander gesichert.

·        Gottes Gebote: Sie schützen die Armen. Sie schützen auch die Fremden im Land. Vorhin im Theaterstück haben wir gesehen, was passiert, wenn Menschen ihr Heimatdorf verlassen müssen und in der Stadt ihr Glück versuchen. Manche Menschen fliehen aber weiter, sie verlassen ihr Land und machen sich auf zu uns nach Europa. Manche fliehen vor dem Hunger. Andere fliehen vor Krieg,  Verfolgung, Folter. Unvorstellbar groß muss die Verzweiflung sein, unvorstellbar groß aber auch die Hoffnung auf ein besseres Leben.

·        Und dann passieren regelmäßig Dramen wie die in den vergangenen Tagen vor Lampedusa. Wahrscheinlich habt ihr auch die Bilder im Fernsehen oder in der Zeitung gesehen. Die Bilder mit den Leichen am Strand oder den 300 Särgen in der Halle. Wir fragen uns: Haben die Politiker ein Herz aus Stein, die Gesetze erlassen, die das Helfen auf dem Mittelmeer unter Strafe stellen? Gesetze, nach denen die Flüchtlinge wegen illegaler Einwanderung sich strafbar machen?

·        Aber, das ist ja in Italien, weit weg von hier. Was hat das mit uns zu tun? Wir haben doch kein Herz aus Stein!

·        In einem Flugblatt der Weißen Rose, der Widerstandsgruppe von Sophie und Hans Scholl gegen das Nationalsozialistische Regime, heißt es: „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt habt!“

·        Ich denke, dieses Bild beschreibt den Zustand unseres Herzens gut: Auch wenn wir kein Herz aus Stein haben, liegt doch oft ein Mantel der Gleichgültigkeit liegt um unser Herz. Wir fragen uns, was wir mit dem Tod der Flüchtlinge im Mittelmeer zu tun haben und gleichzeitig finden sich keine Unterkünfte für die Asylbewerber bei uns im Landkreis.

·        Wir fragen uns: Was habe ich mit dem Schicksal von Bikai und seiner Familie zu tun? Ich kann doch da nichts dran ändern.

·        Celestine hat es am Schluss des Stücks gesagt: „Wollen Sie uns gegenüber fair handeln? Dann kaufen Sie bitte Produkte aus fairem Handel – damit wir leben können!“

·        Wenn wir den Mantel der Gleichgültigkeit zerreißen, den wir um unser Herz gelegt haben, dann handeln wir fair.

·        Weil wir erkennen, dass unser Konsum, unser Einkaufsverhalten jeden Tag etwas damit zu tun hat, wie es denen geht, die in Afrika, Asien und Südamerika als Kleinbauern für uns Kaffee, Tee, Bananen, Mangos, Kakao und andere leckere Lebensmittel produzieren.

·        Weil wir erkennen, dass nur faire Preise dafür sorgen, dass die Kleinbauern und ihre Familien leben können.

·        Weil wir erkennen, dass wir für fair gehandelte Produkte zwar mehr bezahlen als bei Tchibo oder Chicita, dass es dafür aber doppelt so gut schmeckt:

·        Denn wir wissen, dass das, was wir mehr bezahlen, dafür sorgt, dass Bikai und Celestine genug zum Überleben haben und auch zur Schule gehen können, um Lesen, Schreiben, Rechnen zu lernen.

Fair handeln – mit einem lebendigen Herz, damit alle genug zum Leben haben!    Amen.